Segen für neue Notfallseelsorgerinnen

veröffentlicht 02.02.2026 von Christian Weise, Dekanat Rheingau-Taunus

Sieben "frisch" ausgebildete Notfallseelsorger und Notfallseelsorgerinnen sind in einem Gottesdienst in der Evangelischen Kirche in Taunusstein-Hahn für ihren Dienst gesegnet und beauftragt worden. Sie ergänzen das 25-köpfige Team, die ausrücken, wenn sie von der Leitstelle des Rheingau-Taunus-Kreises alarmiert werden. „Wir bleiben vor Ort, bis Angehörige oder Freunde gekommen sind, auch wenn das manchmal viele Stunden dauert. Wir leisten Erste Hilfe für die Seele.“

Ein schwerer Unfall, plötzliches Herzversagen oder ein Schlaganfall, der das ganze Leben verändert, eine vergebliche Reanimation oder der Brand eines Hauses - das sind nur einige Beispiele, bei denen die Notfallseelsorge gerufen wird. Oft sind Hinterbliebene ganz allein, Angehörige wohnen weit entfernt, sind nicht erreichbar. Da ist es so wichtig, dass die Notfallseelsorge vor Ort ist, das Leid mit aushält, zuhört, einen Tee oder eine wärmende Decke bereit hat, sich immer wieder erzählen lässt, damit das Unbegreifliche ein wenig fassbarer wird, die wild kreisenden Gedanken sich ordnen und erste Schritte überlegt werden können, wie es weitergehen kann. 

Zwischen März und Oktober 2025 haben sich sieben Menschen an insgesamt sechs Wochenenden zu Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorgern ausbilden lassen. Zur Ausbildung gehört unter anderem die Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und Sterben sowie Erfahrungen zu diesem Thema. Weitere Themeneinheiten sind Tod und Sterben in den großen Religionen, Aussegnung und Abschiednehmen, Eigenschutz und Resilienz, Traumata und rechtliche Fragen sowie die Auseinandersetzung mit verschiedenen Einsatzszenarien wie häuslichen Einsätzen, Überbringung einer Todesnachricht, Suizid, Großschadenslagen. Nach der Ausbildung erfolgt eine Hospitanz, bei der die ersten Einsätze gemeinsam mit erfahrenen Notfallseelsorgenden gefahren werden. „Die ersten Einsätze wurden auch schon erfolgreich absolviert“, berichtet Julia Behrens.

“Es ist eine Fest, wenn sich Mesnchen für den Dienst in der Notfallseelsorge einbringen und ausbilden lassen”, sagte Pfarrerin Heinke Geiter im Gottesdienst anlässlich der Beauftragung der sieben neuen Notfallseelsorgerinnen. Silvia Koss berichtete davon, wie unsicher die Ehrenamtlichen gewesen seien, “ich weiß nicht, ob ihc das kann”, hätten einige von ihnen gesagt. Notfallseelsorger käem immer wieder an ihre Grenzen, “weil das Leid groß ist”, so Koss weiter. Die Vorsitzende sei “sehr beeindruckt” davon, wie schnell sich die neuen Notfallseeslorger eingelebt hätten. “Wir sind ein team”, sagt Silvia Koss n icht ohen Stolz. 

Die neuen Notfallseelsorger gehen unterschiedlichen Berufen nach. „Von der Erzieherin über die Physiotherapeutin, Bürotätigkeiten, einen Schulbusfahrer bis hin zum Rentner sind unterschiedliche Berufe vertreten“, freut sich die stellvertretende Vorsitzende. Sie tun ihren Dienst ehrenamtlich und sind im ganzen Rheingau-Taunus-Kreis unterwegs. Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger leisten „Erste Hilfe für die Seele“, erklären, warum die Kriminalpolizei kommt, ein Amtsarzt eine Leichenschau vornehmen muss oder der oder die Tote beschlagnahmt wird. Sie setzen sich dafür ein, dass ein würdiges Abschiednehmen von den Verstorbenen möglich ist. Manchmal wird noch ein Gebet gesprochen oder auf Wunsch eine Aussegnung vorgenommen.  “Wir können als Notfallseeslorgende nur Trittsteine hinlegen für den nächsten Schritt”, erklärt Heinke Geiter, eine der vier Ausbilderinnen. 

Seit über 20 Jahren kümmert sich die Notfallseelsorge im Rheingau-Taunus-Kreis außerdem immer wieder um Feuerwehrleute und Rettungskräfte, die bei ihren Einsätzen Schlimmes erleben und die schrecklichen Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Stressbearbeitung nach belastenden Einsätzen in Gesprächen mit dem Feuerwehr- oder Rettungsteam oder mit einzelnen besonders betroffenen Personen tragen dazu bei, dass die Einsatzkräfte das Erlebte verarbeiten können und nicht an posttraumatischen Belastungsstörungen erkranken.  Die Notfallseelsorge versteht sich als Teil der Rettungskette und gehört zum Katastrophenschutz des Kreises.

„Rund um die Uhr haben zwei von derzeit über zwanzig ehrenamtlichen Notfallseelsorgerinnen und -seelsorgern Bereitschaft“, erklärt Julia Viola Behrens. Die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger rücken aus, wenn sie von der Leitstelle des Rheingau-Taunus-Kreises alarmiert werden. „Wir bleiben vor Ort, bis Angehörige oder Freunde gekommen sind, auch wenn das manchmal viele Stunden dauert. Wir leisten Erste Hilfe für die Seele.“ Notfallseelsorger fahren immer zu zweit raus. Jedes mal gäbe es eine Einsatznachbesprechung, zusätzlich gibt es regelmäßige Dienstbesprechungen und Supervision für das ganze team. 

„Die Notfallseelsorge wird immer häufiger zu Einsätzen gerufen, deshalb ist es wichtig, dass wir unser Team stetig vergrößern“, so Behrens. Für den Spätherbst 2026 sei wieder ein Ausbildungskurs geplant. 

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins http://nfs-rheingau-taunus.de